Streckenflugtraining im Doppelsitzer. Ich (ca. 1500 h, kein Fluglehrer) sitze hinten, vorne der Trainee (ca. 100 h). Anflug auf einen Berg mit langgezogenem West-Ost-Grat. Ich hätte den Berg lieber so angeflogen, wie im Bild durch den grünen Pfeil dargestellt, um die Südseite des Berges, beginnend an ihrer Westecke, auf voller Länge absuchen zu können.

1. Fehler: Diese Idee habe ich nicht ausgesprochen.

Mein Trainee fliegt stattdessen wie im Bild durch den roten Flugweg dargestellt fast rechtwinklig auf den Berg auf und zielt auf einen kleinen Einschnitt im Grat, über dem ein anderes Flugzeug kreist. Ich nehme an, dass er vor Erreichen des Grates rechts einkreisen will.

2. Fehler: Ich habe den Trainee nicht nach seinem Plan gefragt.

Für mich völlig überraschend kreist er nicht vor dem Grat ein, sondern fliegt geradeaus weiter durch den Einschnitt im Grat auf dessen Nordseite. Höhe und Fahrt waren für diese Querung mehr als ausreichend. Nur sind wir jetzt auf der Nordseite des Berges, wo sicher kein Bart steht. Aus dem Augenwinkel kann ich sehen, dass die Höhe für sofortiges Umkehren noch reicht. Ich sage „ich übernehme kurz“, drehe hart links, nehme während der Umkehrkurve Fahrt auf und fliege nun tief, aber schnell durch denselben Einschnitt zurück auf die Südseite. Dort finden wir nach einer Such-Acht einen Bart an der Südostecke. Mein Trainee ist etwas still, nach ein paar Minuten meint er: „Ich fand das riskant.“

Verdammt, da hat er recht! Es war riskant, denn die Gesamtenergie reichte zwar, um mit akzeptabler Fahrtreserve durch den Einschnitt zurückzuqueren, ABER es hätte nichts dazwischen kommen dürfen (Lee, Ausweichmanöver wegen weiterer Flugzeuge…). Zudem war die Umkehrkurve selbst sehr eng, so dass die vermeintlich reichliche Fahrtreserve während der Kurve deutlich reduziert war!

Also, 3. Fehler: Umkehrkurve mit zu geringen Sicherheitsreserven durchgeführt.

Das Manöver war obendrein unnötig, denn man hätte leicht (wie im Bild durch den gelben Pfeil dargestellt) auf der kurzen Nordseite des Berges vor- und dann um die Westecke herum wieder auf die Südseite fliegen können.

4. Fehler: Diese Alternative habe ich nicht gesehen.

Das Manöver war aber nicht nur riskant und unnötig, es war auch didaktisch kontraproduktiv:
– ich habe dem Trainee erst im Nachhinein erklären können, warum ich übernehme und was ich vorhabe; nicht unbedingt optimal!
– ich habe ihm ein riskantes Manöver „vorgeführt“; zum Glück hat er das kritisch gesehen und nicht als nachahmenswert empfunden.
– hätte ich nicht eingegriffen, so hätte er die nachteiligen Konsequenzen seines etwas ungeschickten, vielleicht auch planlosen ursprünglichen Anfluges auf den Grat selbst ausbaden müssen. Er hätte festgestellt, dass auf der Nordseite nichts geht, und wäre dann wohl von selbst auf die richtige Lösung gekommen, nämlich außen herum auf die Südseite zurückzufliegen. Allemal lehrreicher!

Und die Lehren für mich?
– Keine knappen, „zu 99 % sicheren“ Manöver fliegen!
– Durch bessere Kommunikation hätte ich die Situation vermeiden können (siehe Fehler 1 und 2)!
– Doppelsitzerfliegen ist immer für beide lehrreich und macht außerdem einfach Freude!